Ansprache zum Volkstrauertag 2021 von Elisabeth Mestmacher

Für alle Interessierten, die gestern nicht dabei sein konnten, hier nochmal die Ansprache von Elisabeth Mestmacher.

Salzhausen, 14.November 2021

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

danke, dass Sie heute dabei sind.

Auf Initiative des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge gedenken die Menschen seit 1952 am Volkstrauertag der Opfer grausamer Gewaltherrschaft des ersten und des zweiten Weltkrieges; in der heutigen Zeit auch des Terrors und der damit verbunden Gewalt und des Elends -weltweit und auch bei uns.

Die Hoffnung, dass dieser Tag immer gegen das Vergessen und für das Vergeben steht, hat sich nicht bewahrheitet.

Wie viele Menschen sitzen jetzt zu Hause und denken nicht daran, welcher Tag heute ist? Sollte man deshalb sagen, dass der Volkstrauertag abgeschafft werden kann, wenn sowieso nicht das ganze Volk trauert.

Sollte dem Volkstrauertag nicht lieber durch eine Neugestaltung mehr Relevanz und Bedeutunggegeben werden, damit er wieder eine größere Aufmerksamkeit bekommt?

Volkstrauertag. Wer trauert an diesem Tag heute noch wirklich? Ist es der jungen Generation überhaupt möglich, über den eigentlichen Anlass zu trauern?

Es sind die letzten Zeitzeugen, die uns dazu auffordern und dabei helfen, wenigstens die Erinnerungen und das Zurückdenken zu bewahren.

Und das ist für mich und vielleicht auch für Sie und für euch die Botschaft daraus:

Wir dürfen nicht verharren und verzweifeln in einer Zeit voller Gewaltherrschaften, Zerstörungen von Kultur und Kulturgütern und nach wie vor grausamen Völkermorden.

Uns darf das Schicksal aller Betroffenen nicht gleichgültig werden lassen.

Wir dürfen nicht vergessen, aber müssen vergeben und um Vergebung bitten können.

Der Volkstrauertag gehört zu den sogenannten Stillen Tagen, der – ohne ein großes Programm mit vielen Reden – der Erinnerung und der Zukunft gewidmet ist. Die Politik wird sich gemeinsam mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, den Kirchen und der Zivilgesellschaft mit einer Umgestaltung des Volkstrauertages der Zeit entsprechend neu aufstellen müssen und dazu wollen wir beitragen.

„Wir denken heute an die Opfer von Gewalt und Krieg, an Kinder, Frauen und Männer aller Völker.

Wir gedenken der Soldaten, die in den Weltkriegen starben, der Menschen, die durch Kriegshandlungen oder danach in Gefangenschaft, als Vertriebene und Flüchtlinge ihr Leben verloren.

Wir gedenken derer, die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten, einer anderen Rasse zugerechnet wurden, Teil einer Minderheit waren oder deren Leben wegen einer Krankheit oder Behinderung als lebensunwert bezeichnet wurde.

Wir gedenken derer die ums Leben kamen, weil sie Widerstand gegen Gewaltherrschaft geleistet haben, und derer, die den Tod fanden, weil sie an ihrer Überzeugung oder an ihrem Glauben festhielten.

Aktualisierte Fassung ab 2021 (Bundespräsident F.-W. Steinmeyer)

Wir trauern um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage, um die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung, um die Bundeswehrsoldaten und anderen Einsatzkräfte, die im Auslandseinsatz ihr Leben verloren.

Wir gedenken heute auch derer, die bei uns durch Hass und Gewalt gegen Fremde und Schwache Opfer geworden sind.

Wir trauern mit allen, die Leid tragen um die Toten, und teilen ihren Schmerz.

Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der ganzen Welt.“

Im stillen Gedenken legen wir die Kränze nieder.


Unser gemeinsames Anliegen, den Volkstrauertag attraktiver zu gestalten habe ich noch einmal zum Nachlesen in einen Flyer zusammengetragen. Der liegt hier als PDF vor, zum Selbstausdrucken und Teilen in den eigenen Netzwerken.

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